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Winzer Sommerach: Gewinner der Goldenen Rebschere 2021

Der Gewinner der Goldenen Rebschere 2021 von den Winzern Sommerach2020 Silvaner - Familiengewächs, Alte Reben
WINZER SOMMERACH - Die Genossenschaft
www.winzer-sommerach.de

 

 

 

 

 

 

 

Eine andersdenkende Genossenschaft und der Dachs von Wiebelsberg

Blogger Matthias Neske nimmt mit auf eine Reise zu den fränkischen Gewinnern des Internationalen Preis des Silvaner Forums

Winzer Sommerach: 90 Winzerfamilien in einer Genossenschaft

Es ist ein trüber Tag, als ich mich gen Sommerach aufmache. Anders als vorhergesagt wird die dichte Nebeldecke den ganzen Tag über dem Rebland liegen bleiben. Auf der Weininsel angekommen, empfängt mich mein Gesprächspartner Stefan Gerhard in ganz und gar nicht trüber Stimmung. Kein Wunder, denn sein Wein hat sich beim Wettbewerb des Silvaner Forums e.V. gegen Dutzende Konkurrenten durchgesetzt und in der Kategorie Jederzeit die Goldene Rebschere als Siegerpreis bekommen. „Nein, nicht mein Wein“, sagt Gerhard, „das ist unser Wein, die Trauben dafür stammen nämlich von acht Winzerfamilien.“ Winzerfamilien? „Ja, wir sind insgesamt 90 Winzerfamilien, die 230 ha bewirtschaften.“

Die anders denkende Genossenschaft: die Winzer Sommerach

Ganz klar, bei den Winzern Sommerach handelt es sich um eine Genossenschaft, „die älteste undStefan Gerhard von den Winzern Sommerach beim Lesen der Familiennamen des Gewinnerweins der Goldenen Rebschere 2021. Foto Matthias Neske zweitkleinste in Franken, nebenbei bemerkt“, sagt Gerhard und grinst. „Gut, es gibt auch nur fünf davon.“ Die Sommeracher gehen offensiv mit der Tatsache um, dass bei ihnen viele verschiedene Menschen draußen in den Weinbergen unterwegs sind. Die anders denkende Genossenschaft, diesen Jingle bekommt jeder eingespielt, der bei den Sommerachern anruft. Aber was ist denn so anders hier?

Stefan Gerhard, seines Zeichens übrigens Kellermeister, aber eigentlich Tausendsassa, zählt eine Reihe von Dingen auf, die an einen verantwortlich geführten Eigenbetrieb erinnern. „Glyphosatfrei sind wir jetzt seit zwei Jahren, wir beschäftigen uns viel mit Begrünungen, Boden, Rebpflege, Rebschnitt, Ertragsreduzierung... Mittelfristig wollen wir alle Erste-Lage-Weine aus Bioanbau holen, ein paar Familien haben schon umgestellt. Und wir wollen auch bei den teureren Weinen keine schweren Flaschen mehr haben. Das Familiengewächs hier, mit dem wir gewonnen haben, ist beispielsweise in der Leichtglasflasche.“

Der Siegerwein aus Sommerach ist gar keiner

Ah, der Siegerwein! Familiengewächs Silvaner Alte Reben 2020, steht auf der Flasche. Und dann folgen die Namen der acht Winzerfamilien, deren Trauben hierfür verwendet wurden. Nominell ist das nur ein Gutswein, denn es handelt sich um eine Lagencuvée aus verschiedenen Parzellen im Genossenschaftsgebiet. Ich will wissen, ob erst alles angeliefert wird und dann je nach Anlieferdatum die Weine daraus gemacht werden. „Nein, nein“, antwortet Stefan Gerhard, „überhaupt nicht. Eines unser Prinzipien heißt ja, jeder Wein hat seinen Weinberg. Da gibt es Pläne, und ich weiß schon von vornherein, welcher Wein aus welchen Trauben enstehen soll. Ich bin übrigens sehr froh, dass wir mit so einem vergleichsweise einfachen Wein gewonnen haben. Die Familien, die hierfür zuliefern, machen nämlich eine richtig gute Arbeit.“

8 Winzerfamilien stehen hinter dem Wein

Also nennen wir doch an dieser Stelle ruhig einmal alle Familien: Dilling, Dietrich, Winter, Blass, Barthel, Döring, Mayer, Zehner. So stehen sie vorn auf dem Etikett. Eine Maßnahme, die den Familien Wertschätzung entgegenbringt, aber auch ihren Ehrgeiz weckt. Meine Vermutung, dass es sich hauptsächlich um Sommeracher Familien handelt, schließlich befindet sich der Löwenanteil der Lagen auf der Weininsel, bestätigt sich übrigens nicht. „Nein“, sagt Stefan Gerhard, „das ist eigentlich ein Steigerwälder Wein. Ungefähr 80% der Trauben kommen von dort.“ Obwohl gute 20 Kilometer von Sommerach entfernt, sind die Steigerwälder keine kürzlichen Neuzugänge, sondern sie hatten sich bereits in den 1980er Jahren der Genossenschaft angeschlossen. Die wichtigste Lage im Familiengewächs-Silvaner ist deshalb in Wirklichkeit der Wiebelsberger Dachs.

Zu Besuch in der Lage des Siegerweins vom Internationalen Preis des Silvaner Forums

Die Lage des Siegerweins vom Silvaner Preis 2021 der Winzer Sommerach: Wiebelsberger Dachs im SteigerwaldInteressanterweise hatte ich schon von einigen anderen Winzern gehört, dass sie sehr gute Weine aus dieser Lage holen. Auf den Etiketten steht sie allerdings vergleichsweise selten. „Ja, der Wiebelsberger Dachs, das ist eigentlich eine Spitzenlage,“ schwärmt Gerhard, „nur kennt sie halt kaum jemand. Wir werden nächstes Jahr zum ersten Mal einen Erste-Lage-Wein aus dem Dachs holen, einen Silvaner, und dann steht das auch entsprechend auf dem Etikett.“ Der künftige Dachs-Wein blubbert schon im Gärkeller, und das ist auch der Ort, an den Stefan Gerhard jetzt wieder zurückkehren muss. Eigentlich ist jetzt ja die stressigste Zeit für einen Kellermeister, wenn die Trauben angeliefert sind und das Gären in allen verfügbaren Behältnissen beginnt. Ich verabschiede mich also von Sommerach und beschließe, trotz des alles andere als vorteilhaften Wetters dem Dachs einen Besuch abzustatten.

Wiebelsberger Dachs im Steigerwald

Wiebelsberg ist sicher nicht der größte Ort im Landkreis Schweinfurt. Knapp 200 Menschen leben hier. Angezeigt auf der Karte werden das Gasthaus Brehm (das auch Weine aus dem Dachs anbietet) und der Heilige Franziskus oben auf der Dachskuppe, von dem man einen weiten Blick ins Land haben soll. Außer heute. In einer über drei verschiedene Hänge laufenden Schleife ziehen sich die Reben über dem Dorf entlang. Die meisten Parzellen sind schwerpunktmäßig nach Süden ausgerichtet mit einem steilen Abhang oben am Wald und ausgleitenden Flächen weiter unten. Wir befinden uns hier im Keuperland, und es verwundert nicht, dass die Weine aus dem Dachs andere Noten aufweisen als jene vom Muschelkalk in Sommerach.

Abgeerntet sind die Rebstöcke, die trotz des diffusen Lichts zu dieser Jahreszeit in den vielenSilvaner Preis Blick auf den Wiebelsberger Dachs im Steigerwald. Foto Matthias Neske Gelbschattierungen des Herbstes strahlen. Auf meiner Tour durch die Weinberge begegne ich keinem Menschen. Wer hier gearbeitet hat, muss sich jetzt erst einmal erholen. Und wer hier wandern möchte, wartet vielleicht auf den nächsten sonnigen Tag. Denn eigentlich ist das eine wunderschöne Gegend genau nach meinem Geschmack. Vom Panoramaweg am oberen Rand der Reben fällt der Blick in die abwechslungsreiche Landschaft mit ihren kleinen Dörfern. Und im Hintergrund locken die belaubten Hügel des Steigerwalds. Ja, auch als Dachs würde mir so ein Standort gut gefallen.

Wie schmeckt der Siegerwein?

Silvaner Preis Der Siegerwein des Silvaner Preis 2021 Familiengewächs Alte Reben von den Winzern Sommerach. Foto Matthias NeskeFehlt zum Abschluss nur noch die Beschreibung des Weins. Die Trauben für das Familiengewächs stammen aus Anlagen, die über 30 Jahre alt sind. Vergoren mit neutralen Hefen kommt der Most zu 80% in Edelstahltanks und zu 20% in gebrauchte Holzfässer. Stefan Gerhard möchte diesen Holzanteil haben, „damit der Wein nicht zu stählern wird.“ Bis Februar liegt der Silvaner auf der Hefe und wird ab und zu einmal aufgerührt, soll dabei aber nicht zu fett werden. Die 12,5 vol%, die das 2020er Exemplar besitzt, sind ideal für diesen Typus. Etwa 6 g Säure bringen eine knackige Frische mit hinein, und bei 4,5 g Restzucker schlittert das Familiengewächs an der fränkischen Trockengrenze entlang.

Aus der leichten Burgunderflasche (nein, kein Bocksbeutel diesmal) fließt ein blassgelber Wein ins Glas. In der Nase spüre ich ein fruchtiges Potpourri aus Birne, Orange und Banane. Dahinter gibt es eine ganz leichte würzige Erdigkeit, als würde der Keuper aus dem Off rufen: „Hier, ich bin hier hinten!“ Geschmacklich ist das ein feinfruchtiges und enorm ausgewogenes Exemplar. Es gibt knackige Frische und Leichtigkeit, aber durch die schöne Fruchtpräsenz wirkt das Familiengewächs alles andere als mager. Das ist schlichtweg ein wunderbarer Schoppenwein, vielseitig in der Küche, nett zu Gästen, frankentypisch eben. Oder wie sagte es Kellermeister Gerhard zum Abschluss so schön: „Man soll davon auch mal e Fläschle trinken können.“
 

Matthias Neske, Weinjournalist und BloggerMatthias Neske
Dr. Matthias Neske ist Weinjournalist und Blogger. Im Auftrag der Winzer der Silvaner Heimat Franken hat er die fränkischen Sieger-Weingüter des Internationalen Preis des Silvaner Forums 2021 besucht.

Unter www.chezmatze.de berichtet er über seine große Leidenschaft Wein in all seinen Facetten.

Mehr über den Internationalen Preis des Silvaner Forums erfahren Sie auf www.silvaner-forum.de