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Weingut Freihof: Gewinner der Goldenen Rebschere 2021

Siergwein der Goldenen Rebschere 2021 vom Weingut Freihof2019 Sommeracher Katzenkopf Silvaner
Weingut Freihof, Sommerach
www.weingut-freihof.de

 

 

 

 

Familienbetrieb von der Weininsel Sommerach

Blogger Matthias Neske nimmt mit auf eine Reise zu den fränkischen Gewinnern des Internationalen Preis des Silvaner Forums

Der Freihof - 100% Weininsel

Silvaner Preis Ausblick vom Turm auf die Rebstöcke von Sommerach im Weinanbaugebiet Franken Foto Matthias NeskeSommerach ist ein prachtvolles altes Dorf am Rand der mainfränkischen Weininsel. Gemeinsam mit dem Nachbarort Nordheim gibt es hier über 500 ha Rebland. Einen kleinen Teil davon, nämlich genau 12 ha, bewirtschaftet das Weingut Freihof. Ich treffe Hubert und Franz Kram im Keller des Weinguts - wie es sich zu dieser Jahreszeit gehört. Allerdings sind die beiden gerade nicht mit Trauben beschäftigt, sondern begutachten die Äpfel, die ein Bekannter hier gerade abgeladen hat.

„Die goldene Rebschere ist der schönste Preis, den wir je gewonnen haben,“ strahlt Franz, der nachSilvaner Preis Hubert und Franz Kram bei der Arbeit im Weingut Freihof in Sommerach Foto Matthias Neske seiner Ausbildung beim Juliusspital seit ein paar Jahren richtig an Bord ist. „Das hat uns selbst total überrascht!“ Tatsächlich gehört der Freihof zu den überregional eher unbekannteren Betrieben. Umso besser, ausgerechnet auf diese Weise mehr ins Gespräch zu kommen. „Meine Frau und ich haben den Betrieb im Jahr 2000 übernommen,“ erzählt Vater Hubert Kram. „Sie stammt aus Sommerach und ich aus Nordheim, und irgendwie mussten wir uns ja für einen gemeinsamen Wohnort entscheiden,“ lacht er. Von den 12 ha Rebland steht jeder einzelne Stock auf der Weininsel - total lokal also.

Wie hier in der Gegend üblich, ist der Freihof primär ein Weißweinbetrieb. Verkauft wird fast alles ab Hof und an Privatkunden, „vielleicht 90%,“ schätzt Franz Kram. Der beste Ort, um die Freihof-Weine kennenzulernen, ist wahrscheinlich die zugehörige Heckenwirtschaft. Während wir uns drinnen unterhalten, klopfen erwartungsfreudige Besucher an die Tür und erfahren dann, dass der Ausschank für diese Saison leider schon beendet ist. „Wir sind auch ohnehin fast ausverkauft,“ erzählt Hubert Kram. „Vielleicht sind wir ja zu billig“, ergänzt Franz und grinst dabei.

Herkunft des Siegerweins: Weinlage Augustbau in Sommerach

Silvaner Preis Franz und Hubert Kram im Keller ihres Weinguts Freihof in Sommerach Foto Matthias NeskeJetzt will ich aber wissen, was es mit ihrem Siegerwein im neuen Bocksbeutel auf sich hat. Sommeracher Katzenkopf trocken, steht auf dem Etikett, weiter nichts. Stammt der Wein denn von überall aus der Lage? „Nein, gar nicht“, antwortet Hubert, „die Reben stehen alle in einer Parzelle im Gewann Augustbaum, direkt neben dem Wilm. Das sind mit die besten Lagen hier.“ Ursprünglich hatten sie eine Parzelle zwei Züge weiter oben am Berg für ihren Spitzenwein vorgesehen, aber die Reben waren dort extrem wüchsig - mehr Schlingpflanze als Fruchtträger. Also entschlossen sie sich, die andere Parzelle im Augustbaum auf Kordonschnitt umzustellen, um das Wachstum besser im Griff zu haben. Die Erträge hatten sie ohnehin vorher schon heruntergefahren.

Ich möchte wissen, warum sie dann nicht explizit Augustbaum auf das Etikett schreiben. Schließlich gibt es ja einen ziemlich bekannten Kollegen ein paar Häuser weiter, der genau dies mit Erfolg tut. „Ja“, sagt Hubert Kram, „es ist halt so, dass es nicht ausdrücklich erlaubt ist, die Gewannbezeichnungen zu verwenden. Da habe ich immer zu große Bedenken, dass die Weinkontrolle das bemängeln könnte.“ Aber sinnvoll, denke ich bei mir, wäre es auf jeden Fall. Schließlich zeigen die Reben der kreisrunden Weininsel beinahe in alle vier Himmelrichtungen. Es gibt Lagen unten am Fluss, am Hang, in den kleinen Seitentälern und oben auf dem Plateau. Da böte sich eine Differenzierung doch durchaus an.

„2019 war ein sehr guter Jahrgang, aber mengenmäßig sehr klein“, stellt Franz Kram den Siegerwein vor. „Wir haben übrigens beim schlimmen Spätfrost im Mai 2020 gemerkt, dass die beiden Augustbaum-Parzellen unsere besten sind, denn sie sind als einzige nicht erfroren.“ Leider wird es genau aus diesem Grund aus dem Jahrgang 2020 keinen hochwertigen Katzenkopf-Silvaner vom Freihof geben. Die Trauben mussten nämlich mit in die Basisweine hinein.

Wie aus dem Lehrbuch: Silvaner mit Frucht

Die Weinbereitung wäre dann ziemlich lehrbuchhaft, erklärt Franz. „Ich bin ein Fan des scharfen Vorklärens“, gibt er zu, „weil unsere Weine stilistisch auf die klare Frucht setzen.“ 18 Stunden Maischestandzeit, vergoren mit Neutralhefen, langes Feinhefelager, das sind die technischen Komponenten für den Katzenkopf-Silvaner.

Der Ausbau erfolgt im Stahltank, wie ich beim Besuch des Kellers feststellen kann. „Ja“, sagt Hubert Kram, „das sind ja meist solche Wellenbewegungen. Ganz früher wurde alles im alten Holzfass ausgebaut, dann kam der Stahl, man wollte es endlich sauber und fruchtbetont haben. Und jetzt in diesem Jahr haben wir zum ersten Mal wieder ein neues Halbstückfass gekauft - aus Spessarteiche.“ Wird denn zukünftig auch der Silvaner dort hineinkommen? Die beiden schauen sich an. „Bislang haben wir uns das nur beim Rotwein getraut. Aber wer weiß...“

Wie schmeckt der Siegerwein?

Silvaner Preis Siegerwein der goldenen Rebschere 2019 Sommeracher Katzenkopf Silvaner vom Weingut Freihof in Sommerach Foto Matthias NeskeAus dem Bocksbeutel fließt ein recht kräftig gelbfarbener Saft ins Glas. Gleich beim ersten Schnupperer sind die reifen Fruchtnoten des Jahrgangs spürbar. Es gibt Aprikose, Orangenschale, eine gewürzige Note nach Senfmehl-Art, sehr animierend jedenfalls. All diese Versprechungen hält der Freihof'sche Silvaner auch am Gaumen. Das ist ein enorm saftiger Wein. Die klare Frucht, von der Franz Kram sprach, prägt den ganzen Auftritt. Erstaunt sehe ich auf dem Etikett die 14 vol% Alkohol und denke mir, das haben sie aber enorm gut verpackt. Orange, Aprikose, Pink Grapefruit, keinerlei Ablenkungen durch Hefe, Holz und Hanebüch. Wer den fruchtig-reifen Stil schätzt, wird diesen Wein lieben.

Sommeracher Katzenkopf: Geburtsort des Siegerweins

Anschließend fahre ich noch zum Geburtsort des Weins, in den Katzenkopf hinein. Oben gibt esSilvaner Preis Ausblick vom Turm auf die Rebstöcke von Sommerach im Weinanbaugebiet Franken Foto Matthias Neske einen Aussichtsturm mit weitem Rundblick - oder vielmehr sogar zwei, einen auf Sommeracher und einen auf Nordheimer Seite. Bei herbstlicher Färbung ist es geradezu spektakulär hier oben. Den Main kann man praktisch nicht sehen, ahnt aber, wie er sich zwischen dem Inselplateau und den steilen Escherndorfer Hängen ringsherum zieht. Am Horizont erkenne ich sogar den am Rand des Steigerwalds herausragenden Sporn des Rödelseer Küchenmeisters. Viel länger möchte ich eigentlich noch hier verweilen, den freien Himmel auf 360 Grad genießen. Aber gut, die Weininsel liegt ja nicht am Ende der Welt. Ich werde ganz sicher wiederkommen.

 

 

Matthias Neske, Weinjournalist und BloggerMatthias Neske
Dr. Matthias Neske ist Weinjournalist und Blogger. Im Auftrag der Winzer der Silvaner Heimat Franken hat er die fränkischen Sieger-Weingüter des Internationalen Preis des Silvaner Forums 2021 besucht.

Unter www.chezmatze.de berichtet er über seine große Leidenschaft Wein in all seinen Facetten.

Mehr über den Internationalen Preis des Silvaner Forums erfahren Sie auf www.silvaner-forum.de