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Weinanbau auf der LGS 2018 Würzburg

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Was haben Weinreben auf der Gartenschau zu suchen? Diese Frage stellt sich bei der anstehenden 19. Landesgartenschau in Würzburg nicht. Denn mit einer mehr als 1200-jährigen Tradition hat der Weinbau Menschen und Region nachhaltig geprägt und durch seine Einflüsse aus der einstigen Naturlandschaft über die Jahrhunderte eine historisch geprägte Kulturlandschaft geschaffen. Doch die Lage hoch oben im neu entstehenden Stadtteil Hubland, der vom 12. April bis 07. Oktober 2018 zur Spielwiese der zweiten Landesgartenschau in Würzburg wird, ist eine Herausforderung für die Weinstöcke. Bewegt man sich auf dem Gelände und damit auf Augenhöge mit der Festung Marienberg (270 m. ü. NN) ist der Wind ein ständiger Begleiter. Denn die exponierte Fläche ist nach allen Seiten windoffen und es treffen dort die sprichwörtlichen ´Sieben Winde´ aufeinander. Das laue Lüftchen, das in den heißen Sommermonaten sicherlich für Abkühlung bei den Besuchern sorgen wird, birgt aber auch Gefahren für die Reben im Frühjahr.

Die Wanderschaft der Reben
Zwei, die sich nicht unbedingt verstehen: Der Wind ist nicht immer der beste Freund des Rebstockes. „Nicht umsonst gibt es die Winzerweisheit ´Die Rebe ist ein Sonnenkind, sie liebt den Berg und hasst den Wind´“, so Josef Engelhart vom Institut für Weinbau und Oenologie der Bayerischen Landesanstalt für Weinbau und Gartenbau (LWG) in Veitshöchheim. Denn im Mittelalter (um das 11. Jhd.) wurden die fränkischen Weinstöcke nicht am Berg, sondern vielmehr auf der Ebene kultiviert. „Damals war es auch in den Tälern noch warm und die Rebstöcke fühlten sich auch auf der ebenen Fläche wohl“, so Engelhart. Auch der umgangssprachlich häufig anzutreffende ´Wengert´, der Weingarten, ist auf die damalige Zeit zurückzuführen. Erst mit Anbruch der ´Kleinen Eiszeit´ ab 1350 und der damit verbundenen Abkühlung der Temperaturen wanderten die Reben von den Tälern an die wärmeren Südseiten von Bergen und Hängen.
Noch heute hat die alte Winzerweisheit bestand und windempfindliche Lagen eignen sich daher nicht für den Anbau aller Weinsorten. „Während der spätreife Riesling keine kühlen windoffenen Hänge mag, gedeiht der Müller-Thurgau, als frühreife Sorte, auch unter windigen Umständen“, macht Weinbautechniker Engelhart deutlich. Besonders in Frostnächten lässt der Wind die Temperaturen noch weiter sinken und kann damit zur Rebengefahr von Spätfrostereignissen im April und Mai führen. So sorgten in der Nacht auf den 20. April 2017 Temperaturen von bis zu -7 °C für Erfrierungen der noch jungen Weintriebe, die zu einem teilweisen Ernteausfall führten.

Exoten im Rebgarten
Im rund 300 m² großen Rebgarten des diesjährigen Beitrages des Bayerischen Staatsministeriums für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten (Ausstellungsbereich Wissensgärten) treffen Tradition und Moderne aufeinander. In den angelegten Weinbergsflächen darf natürlich der Silvaner nicht fehlen, geht doch die erste urkundliche Erwähnung des fränkischen Silvaner-Rebenanbaus auf das Jahr 1659 zurück. Vor allem Würzburg und die nach Sylvanus, dem Heiligen des Waldes und des Weinberges, benannte Rebsorte gehören zusammen und verbindet eine lange, gemeinsame Geschichte: So pflanzte Abt Albrecht Degen bereits 1665 die erste Silvaner-Rebe am Würzburger Stein. „Im Silvaner-Geschichtsweinberg sind mit Traminer und Österreichisch Weiß zudem die Eltern der Rebsorte zu finden, aus denen der Silvaner mit seinen vier Varietäten entstanden ist“, so Rebsortenkundler Engelhart. Dabei hat der Grüne Silvaner neben seinen Roten, Gelben und Blauen Geschwistern mit über 90 % Anbaufläche deutlich die Nase vorn.
Mit Cabernet Sauvignon, Merlot oder Chardonnay lassen sich aber auch internationale Weinsorten erkunden, die künftig die fränkischen Rebflächen erobern könnten. „Der mit dem Klimawandel einhergehende Temperaturanstieg macht Franken künftig auch für den Anbau von klassischen südlichen Weinen mehr und mehr interessant“, betont Engelhart. Was auf der einen Seite Vielfalt in die Flasche bringt, sorgt auf der anderen Seite für Trockenstress im Sommer. So arbeiten die Experten des Institutes für Weinbau und Oenologie schon seit Jahren an verschiedenen Forschungsprojekten, um die Bewässerung im Weinberg effizienter zu gestalten. Daher lässt sich auch im Schauweinberg eine moderne Tröpfchenbewässerungsanlage besichtigen.

Architektonische Verkörperung des Terroirs
Wasser – sehr viel Wasser: Vor knapp 250 Millionen Jahren, am Ende des Erdaltertums, war vom heutigen Franken zwar nicht viel zu sehen – gleichzeitig wurde damals aber, im wahrsten Sinne des Wortes, der Boden für den fränkischen Weinbau geebnet und ein einmaliges Terroir geschaffen. Denn während eine einzige große Festlandmasse, die Pangäa, mit einem weltumspannenden Meer die damaligen Gesichtsformen unserer Erdkugel prägte, waren weite Teile des heutigen Mitteleuropas von einem flachen Binnenmeer überflutet. Bevölkert wurde dieses ´Muschelkalkmeer´ von Ceratiten, Nautiliden, Meeresschnecken und Muscheln, deren versteinerte Überreste noch heute in den heimischen Weinbergen zu finden sind. Ausgehend vom Leitfossil des Fränkischen Muschelkalks wurde das VINOMAX entworfen, das als weithin sichtbares und architektonisch markantes Wahrzeichen den diesjährigen Landesgartenschau-Beitrag des bayerischen Landwirtschaftsministeriums prägt.
Die Muschelform als Architektur des Gebäudes bildet den Raum des VINOMAX, der, wie der abgeleitete Begriff vom Audimax einer Universität erwarten lässt, einen kleinen Hörsaal mitten im Rebgarten ergibt. Über ein interaktives Panel im Inneren des Pavillons kann der Besucher aus 16 weinbaulichen Themenfeldern auswählen und in die bisher zehn magischen Orte des Frankenweins ´terroir f´ audiovisuell eintauchen. In einem kleinen Silvaner-Weinberg, dem Silvaner-Terroir, wurden die Reben zudem auf den fränkischen Hauptbodenarten Muschelkalk, Keuper, Buntsandstein und Mainsande angebaut. „Die fränkischen Silvaner-Weine sind besonders gute Terroir-Anzeiger. Denn jede Bodenart hinterlässt ihre ganz eigenen, charakteristischen Aromen“, so Josef Engelhart.

VINOMAX & Rebgarten erleben
Die Besucher können die Ausstellungsflächen, die unter dem Titel „Landschaft! Wein! Garten!“ in unmittelbarer Nähe des Eingangs ´Wissensgärten´ liegen, auf eigene Faust während der LGS-Öffnungszeit erkunden. ´Lass Dich (ver-)führen´ so die Aufforderung der Gästeführer ´Weinerlebnis Franken´, die jeden Samstag und Sonntag um 11.00 Uhr und 15.00 Uhr eine besondere Führung zur Geschichte und der Tradition des fränkischen Weinbaus im Weingarten anbieten. Auch lohnt sich besonders ein Blick auf die pilzwiderstandsfähigen Rebsorten, die PIWIs – denn der eigene Rebstock im Garten liegt im Trend. „Mit den neuen PIWI-Tafeltrauben lassen sich von September bis Oktober besonders süße Trauben direkt vom Stock naschen“, erläutert Engelhart. Gepflanzt an der Südseite kommen die Reben dabei ganz ohne Pflanzenschutz aus.
Nicht nur über Wein sprechen, sondern den Wein auch sprechen lassen: Als ganz besonderes Highlight schenkt die LWG jeden Mittwoch exklusiv die eigenen ausgebauten Weine aus, die im freien Handel nicht zu erwerben sind. An den übrigen Tagen sorgen die Winzer des „Fränkischen Gewächses“ für Gaumenfreuden.

Ein überdimensionales Puzzle l Was über zwei Jahre lang nur in kreativen Köpfen und auf dem Reißbrett existierte, erhebt sich jetzt eindrucksvoll und von weither sichtbar im Rebgarten. Das VINOMAX ist komplett aus Holz gefertigt und wurde, in reiner Hand
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