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Biologische Vielfalt im Weinberg

LBV-Präsident Dr. Norbert Schäffer besucht Thüngersheimer Scharlachberg
 

Weinkulturlandschaft neu gestalten:

Seit 8 Jahren geht die Bayerische Landesanstalt für Weinbau und Gartenbau (LWG) in der Weinlage Thüngersheimer Scharlachberg in der Gestaltung der Reblandschaft neue Wege. Im bundesweit einzigartigen Projekt „Weinbau 2025“ wird durch gezielte Maßnahmen die biologische Vielfalt im Weinberg gefördert. Davon überzeugte sich am Mittwoch, den 29. Juli, auch der Vorsitzende des Landesbundes für Vogelschutz in Bayern (LBV), Dr. Norbert Schäffer – und wurde bei seinem Rundgang auch von ganz besonderen Zaungästen beäugt.
 

Biodiversitäts-Hotspot Weinberg

Trocken, warm und karg – der mediterrane Charakter des Lebensraums Weinberg machen ihn zu einem wahren Biodiversitäts-Hotspot. Eine äußerst artenreiche und an diesen Lebensraum angepasste Pflanzen- und Tiergemeinschaft ist dort zu finden – die LBV-Präsident Dr. Norbert Schäffer bei seinem Besuch am Scharlach auch hautnah erleben konnte. „Diese Vielfalt entstand erst dank der jahrhundertelangen extensiven Bewirtschaftung der Weinberge“, betonte Georg Bätz, Leiter des Institutes für Weinbau und Oenologie. So schufen die Winzer über viele Jahrhunderte eine strukturreiche Kulturlandschaft mit Hecken, Steinriegel oder Streuobstwiesen neben den Weinbergsparzellen. Doch durch die Mechanisierung und Intensivierung des Weinanbaus, sowie die auf Wirtschaftlichkeit ausgelegte Neugestaltung der Weinbergsflur, gingen viele dieser Strukturelemente verloren – und damit auch der Lebensraum für viele der pflanzlichen und tierischen Weinbergbewohner.
 

Winzer als Lebensraumgestalter

Jedoch können die Winzer mit einfachen Maßnahmen dem Biodiversitätsrückgang Einhalt bieten. Denn die Möglichkeiten für mehr Vielfalt in den Weinlagen zu sorgen sind groß: Davon überzeugte sich Dr. Norbert Schäffer bei seinem Rundweg durch den Scharlach, der an Blühflächen, begrünten Steinriegeln oder Totholzbereich vorbeiführte. „Die Anlage strukturreicher Saumhabitate sorgt nicht nur für eine ästhetische Aufwertung der Weinkulturlandschaft, sondern zieht auch tierische Helfer an“, so Georg Bätz. Schlupfwespen und räuberische Insekten gehen den Schädlingen in den Rebanlagen an den Kragen. Und werden genügend Nistmöglichkeiten in Hecken, auf dem Boden ungemähter Wiesen und Brachen geboten, landen viele Schadinsekten im Magen hungriger Vogelkinder. Die Förderung der biologischen Vielfalt in der Weinlandschaft gelingt nur durch
ineinandergreifende Maßnahmen. Denn auch hier gilt: Erfolg durch Vielfalt! Alle großen Veränderungen fangen dabei mit kleinen Schritten an, die aber, wie beispielsweise die Wegränder nicht mehr zu mähen, schon große Wirkung erzielen.
 

Kooperation geplant

Beeindruckt war LBV-Präsident Dr. Norbert Schäffer von der Vielfältigkeit der Weinnaturlandschaft und signalisierte von Anfang an hohes Interesse an einer effektiven Kooperation. Den Wunsch der LWG – ein Brutvogelmonitoring verstärkt in Weinbergflächen durch die geschulten Augen und Ohren der LBV-Experten – kommt Dr. Schäffer gerne nach. LWG-Präsident Andreas Maier ist es ein großes Anliegen, dass die Wirksamkeit der Maßnahmen im Weinbau zum Erhalt der Biodiversität von neutralen Experten untersucht und bewertet werden. Darüber hinaus sicherte der LBV seine Unterstützung für die biodiversitätssteigernden Maßnahmen im Weinbau auf politischer Ebene zu.

Totholz als Lebensraum: Totholz ist im Gegensatz zu seinem Namen sehr lebendig. Unzählige Käfer- und Insektenarten, vor allem aber auch Wildbienen haben im Holz ihre „Kinderstube“. Foto: LWG Veitshöchheim

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