logo
Startseite ›  Presse ›  Pressetexte

Alte Weinberge. Alte Reben. Altfränkischer Satz


Alles muss heute schöner, schneller oder höher sein. Ein Superlativ jagt den nächsten, doch eines ist sicher: Die Lage Rimbacher Landsknecht ist wohl einer der ältesten Weinberge Frankens überhaupt. Denn während 1835 die „Adler“ die erste Eisenbahnfahrt zwischen Nürnberg und Fürth absolvierte und den Engländern in Glasgow mit der Erfindung der Glühbirne ein Licht aufging, machten die fränkischen Winzer genau das, was sie damals wie heute besonders gut können - sie pflanzten einen Weinberg und zwar im „Gemischten“ bzw. Alten Satz“.

Unter dem Motto „Kulturgut Weinberg!“ hatte sich Anfang August Bezirkstagpräsident Erwin Dotzel mit seinem Chef-Oenologen und Leiter der beim Bezirk Unterfranken angesiedelten Weinfachberatung Hermann Mengler, aufgemacht, die verborgenen Schätze des fränkischen Weinlandes zu heben. Die erste Station der diesjährigen Sommer-Tour bildete genau dieser Weinberg in der Lage Rimbacher Landsknecht, der heute vom Sommeracher Weingut Otmar Zang bewirtschaftet wird. Dabei geraten Bezirkstagspräsident, Chef-Oenologe und Johannes Zang, Juniorchef des gleichnamigen Weinguts gleichermaßen ins Schwärmen, wenn es um den wohl ältesten Weinberg Frankens geht. Durch einen glücklichen Zufall sei man 1989 auf den Weinberg aufmerksam geworden, weiß Johannes Zang zu berichten. Sein Vater habe einen Helfer für den Weinberg gesucht, gemeldet habe sich dann Georg Hufnagel, dem der Weinberg gehört, der heute der ganze Stolz des Weinguts ist. Insgesamt 35 verschiedene wurzelechte Rebsorten wachsen im „Alten Satz“, von denen 16 Sorten namentlich bekannt sind. Über die restlichen 19 jahrhundertealte Stöcke rätseln heute noch die Fachleute der Bundesforschungsanstalt für Rebenzüchtung. Wesentlicher Vorteil dieser alten Anbaumethode sei die geringere Anfälligkeit der Reben gegenüber Vegetation und Schädlingen, informierte Hermann Mengler. Komplette Ernteausfälle waren dadurch viel seltener. Außerdem bilde der „Alte Satz“ ein wichtiges Genreservoir und ist wichtig für die Rebzüchtung und die Ertüchtigung der Rebsorten für die Zukunft.

Den nächsten verborgenen Schatz entdeckte die Reisegruppe im „Gemeindeweinberg“ in Buchbrunn. Dort informierte Winzer Harald Geißendörfer und Tochter Katharina über die Entstehung des Weinbergs. Bei Arbeiten für ein Neubaugebiet sei man auf Funde einer alten Siedlung gestoßen. Durch die EU gefördert wurde dort ausgegraben – allerdings mit der Auflage, Geschichte in Projekten erlebbar zu machen. Somit war die Idee geboren, einen Weinberg mit vom „Aussterben“ bedrohten Rebsorten anzulegen, weiß Katharina Geißendörfer, die Weinbau studiert, zu berichten.

Abgerundet wurde die diesjährige Wein-Sommer-Tour durch eine Visite im Weingut Zehnthof in Sulfeld. Dort bewirtschaften Ulrich und Wolfgang Luckert den wohl ältesten Silvanerweinberg der Welt. Und auch hier war es wieder ein glücklicher Zufall, der die Winzerfamilie Luckert auf einen wahren Schatz aufmerksam werden ließ. Als damals im Sulzfelder Maustal die besten Lagen gerodet und in Bauplätze umgewandelt wurden, blieb nur die Parzelle von Urban Schenkel übrig, auf der um 1870 Silvaner-Reben gepflanzt wurden und die heute von den Luckners bewirtschaftet wird. Diese Lage wurde von Weinexperten und in zahlreichen Blindverkostungen als „Große Lage“ eingestuft.


Teilen auf: Facebook Twitter