Frankenwein - die genuss-seiten
zur vorhergehenden Seite
 
Druckversion
 
mueller_thurgau-erfolge-fra.jpg

In der Rebschule Steinmann (Sommerhausen) begutachteten Frankens erfolgreiche Müller-Thurgau-Erzeuger den (Reben-)Nachwuchs.
 

Vom Mauerblümchen zum gefeierten Star

Müller-Thurgau aus Franken – eine Klasse für sich! Fränkische Winzer triumphieren bei internationalen Weinwettbewerben

Valle di Cembra / Meersburg / Franken. Sieger beim Internationalen Müller-Thurgau-Preis in Meersburg am Bodensee, zahlreiche Auszeichnungen beim Müller-Thurgau-Wettbewerb im Valle di Cembra in Italien. Der Müller-Thurgau aus Franken ist gegenwärtig in aller Munde! Er hat sein zwischenzeitlich etwas verstaubtes Image endgültig abgelegt und entwickelt sich mehr und mehr zu einem wahren Kultgetränk.
Beim 2. Internationalen Müller-Thurgau-Wettbewerb am Bodensee glänzten gestern Abend die Weingüter Juliusspital (Würzburg) und Michael Fröhlich (Escherndorf) mit jeweils einem ersten sowie das Weingut Klaus Giegerich (Großwallstadt) mit einem zweiten Platz. Zusätzlich schafften es auch die Weingüter am Stein, Ludwig Knoll (Würzburg), Berthold Schmachtenberger (Randersacker) und die Gebietswinzergenossenschaft Franken bis ins Finale. Insgesamt hatten sich 278 Weine aus den verschiedenen Anbaugebieten dem Vergleich gestellt. Im Rahmen einer Blindverkostung bewertete eine unabhängige Jury bestehend aus Önologen, Fachjournalisten, Sommeliers, Winzern und Weinfachhändlern die Weine.
Neben der Bodenseeregion, die schon historisch gesehen eine enge Verbindung zu der Rebsorte und ihrem Züchter aufweisen kann, hat sich auch die Region Valle di Cembra in Norditalien schon lange den Müller-Thurgau auf die Fahne geschrieben.
Seit 19 Jahren wird ein Festival veranstaltet, das sich ausschließlich der Sorte widmet. Seit drei Jahren findet gleichzeitig ein Weinwettbewerb statt. Auch hier machten die fränkischen Vertreter jüngst auf sich aufmerksam. Stolze fünf Silbermedaillen brachten die Gebiets-Winzergenossenschaft Franken, das Privat-Weingut Schmitt (Bergtheim) und das Weingut Juliusspital (Würzburg) mit nach Hause. Das Weingut Schmitt wurde zusätzlich mit dem Journalistenpreis bedacht, der jeweils nur einem Weingut eines Landes verliehen wird.
Vor einigen Jahren noch verschmäht, entwickelt sich die ehemalige fränkische „Brotsorte“ mehr und mehr zu einem wahren „Trendsetter“. Aber der Erfolg kommt nicht von ungefähr. Bereits vor rund zehn Jahren wurden die Weichen gestellt. Fränkische Winzer entwickelten zusammen mit dem Fachberater für Kellerwirtschaft beim Bezirk Unterfranken Hermann Mengler ein Qualitätskonzept für den Müller-Thurgau. Als Vorreiter ist hier zweifelsohne die Gruppierung „FRANK & FREI“ zu nennen, andere Initiativen und Weingüter folgten.
Das Rezept für einen modernen Müller-Thurgau scheint auf den ersten Blick recht einfach: umweltgerechter Weinbau, reduzierter Anschnitt im Frühjahr, notfalls Entfernen überschüssiger Früchte im Sommer, richtiger Erntezeitpunkt, strenge Auslese der Trauben, schonender, betont langsamer Ausbau des Mosts im Keller. „Die Trauben sollen gesund und reif sein. Sie sollen einen am Stock anlachen. Dann sind sie richtig“, erklärt Michael Fröhlich aus Escherndorf, der heuer bereits zum zweiten Mal den Müller-Thurgau-Wettbewerb am Bodensee gewonnen hat. „Unsere Müller-Thurgau-Weine passen genau in unsere Zeit: Sie sind fruchtig, aromatisch und bekömmlich. Es sind nicht nur ausgezeichnete Essensbegleiter, sondern auch Weine, die einfach Spaß machen und Freude am Leben vermitteln“, ergänzt Sandra Knoll vom Weingut am Stein in Würzburg.  
Einen erfolgreichen Weg hat auch die Gebiets-Winzergenossenschaft Franken (GWF) eingeschlagen. Sie ist mit rund 600 Hektar Anbaufläche der größte Müller-Thurgau-Erzeuger in der Region. „Die Konzeptlinie „die jungen frank’n“ wird jeweils bereits ab dem zweiten Mittwoch im November als sehr junger Wein vorgestellt. Inzwischen genießt er ganzjährig als junger, frischer und sehr unkomplizierter Wein eine immer größere Beliebtheit“, berichtet der geschäftsführende Vorstand der GWF Michael Schweinberger.   
„Man hat den Müller-Thurgau in früheren Zeiten oft missbraucht. Ein Umdenken kam in Franken mit FRANK & FREI. Diese leichte, unkomplizierte Art mit einer Frucht, die dazu verführt, nicht nur ein Glas zu trinken. Der Wein hat ein ungeheures Aromapotential und bringt eine Leichtigkeit mit, wie man sie anderen Orts nur schwer findet. Nicht zuletzt baut man in Norditalien jetzt vermehrt auch Müller-Thurgau als Alternative zum Sauvignon blanc an. Das können wir mindestens genauso gut, wie es die aktuellen Wettbewerbe belegt haben“, meint Horst Kolesch vom Weingut Juliusspital in Würzburg.
Tatsächlich hat Italien seine Liebe zum Müller-Thurgau entdeckt. Seit einigen Jahren setzt sich die fruchtbetonte und modern vinifizierte Rebsorte mehr und mehr als überzeugende Alternative zu südlichen Weißweinen durch. Das große Interesse jenseits der Alpen kann auch Petra Steinmann-Gronau von der Rebschule Steinmann in Sommerhausen bestätigen: „Schon seit Jahren liefern wir regelmäßig Müller-Thurgau-Reben nach Italien.“
Anja Schmitt-Kraiss vom Privat-Weingut Schmitt in Bergtheim ist oft in Italien unterwegs. Sie berichtet, dass Müller-Thurgau nicht nur in Norditalien, sondern sogar auf Sizilien angebaut werde. Selbst der etwas komplizierte Name stört die Italiener nicht. Sie lieben diese Sorte. In vielen Turiner oder Mailänder Restaurants wird sie als idealer Begleiter der sommerlichen Küche ausgelobt.
Die im Jahr 1882 gezüchtete Rebsorte kann eine beispiellose Erfolgsgeschichte vorweisen, denn keine andere Neuzüchtung hat jemals eine solche Verbreitung gefunden. Heute steht sie mit 14.346 Hektar auf rund 14 Prozent der gesamten deutschen Rebfläche und ist nach dem Riesling die in Deutschland am zweithäufigsten angebaute Sorte. In Franken ist gegenwärtig rund ein Drittel der Anbaufläche mit Müller-Thurgau bestockt (1.968 Hektar).
Franken hat aus vielerlei Hinsicht eine ganz enge Verbindung zu der Rebsorte. Ihr Züchter Hermann Müller aus dem Kanton Thurgau in der Schweiz promovierte in Würzburg beim berühmten Botaniker und Pflanzenphysiologen Professor Julius von Sachs. Führte ihn sein Weg später weiter nach Geisenheim und Wädenswil (Schweiz), so blieben die Kontakte nach Franken zeitlebens bestehen. Eine Tafel am alten Botanischen Institut der Universität erinnert heute daran, dass Hermann Müller-Thurgau hier von 1872 bis 1876 wissenschaftlich gearbeitet hat.
Die Rebsorte Müller-Thurgau, die – wie wir heute wissen – 1882 in Geisenheim aus Riesling und Madeleine Royale gekreuzt wurde, hatte in den ersten Jahren zunächst die Bezeichnung Sämling Nr. 58. Als sich die Bedeutung dieser neuen Sorte herauskristallisierte, wurden 1913 die ersten 100 Reben durch den Weinbauinspektor August Dern aus Wädenswil nach Deutschland zurückgebracht. Zu dieser Zeit wurde auch der Name „Müller-Thurgau-Rebe“ eingeführt. Die ersten Reben standen in Sendelbach bei Lohr zunächst nur in Versuchsanlagen.
Erst nach dem zweiten Weltkrieg gelang der Sorte der große Durchbruch. Ihr Züchter Hermann Müller-Thurgau starb 1927 und erlebte den Ruhm seiner Sorte nicht mehr. Anfang der 70iger Jahre war der Müller-Thurgau die meist gepflanzte Rebsorte in Deutschland, denn sie war im Anbau unproblematisch und ertragssicher. Die ältesten Müller-Thurgau-Reben in Franken, vielleicht sogar auf der ganzen Welt, stehen im Langenberg in Retzstadt und in Würzburg am Festungsberg. Sie wurden im Jahr 1925 angepflanzt.

Die Erfolge im Einzelnen:
Müller-Thurgau-Wettbewerb im Valle di Cembra (Italien)
Gebiets-Winzergenossenschaft Franken eG (Kitzingen-Repperndorf)
Silbermedaille:           2005 Iphöfer Burgweg Müller-Thurgau QbA trocken
                                 2005 Die jungen Frank’n, Müller-Thurgau QbA tr
                                 2005 Volkacher Kirchberg Müller-Thurgau Kab. tr
Privatweingut Schmitt (Bergtheim)
Silbermedaille:            2005 Der Müller Qualitätswein trocken
Journalistenpreis:       2005 Rivaner Kabinett trocken
Weingut Juliusspital (Würzburg)
Silbermedaille:            2005 Würzburger Stein Müller-Thurgau Kabinett tr.


Internationaler Müller-Thurgau-Preis 2006 (Bodensee)
Kategorie I (bis 9 g/l Restzucker, bis 12 % vol.):
2. Platz:          Weingut Klaus Giegerich (Großwallstadt) 
                      2005 Frank & Frei Müller-Thurgau Qualitätswein trocken
4. Platz:          Weingut Berthold Schmachtenberger (Randersacker)
                      2005 Rivaner Kabinett trocken
Kategorie II (bis 9 g/l Restzucker, über 12 % vol.):
1. Platz:          Weingut Michael Fröhlich (Escherndorf)
                      2005 Frank & Frei Müller-Thurgau Qualitätswein trocken
4. Platz:          Weingut am Stein, Ludwig Knoll (Würzburg)
                      2005 Frank & Frei Müller-Thurgau Qualitätswein trocken
 
Kategorie III (über 9 bis 18 g/l Restzucker):
1. Platz:          Weingut Juliusspital (Würzburg)
                      2005 Würzburger Abtsleite Müller-Thurgau Qualitätswein
Kategorie IV (über 18 bis 90 g/l Restzucker):
4. Platz:          Gebiets-Winzergenossenschaft Franken (Kitzingen)
                      2005 Tauberzeller Hasennestle Müller-Thurgau Spätlese

 


 

Wein- und Winzerfeste in Franken

wfk-2012---titel.jpgJede Menge Leben im Weinland und die schönsten Wein- und Winzerfeste in Franken fasst der Festkalender zusammen. Hier geht es zum Download. weiter 

Wegweiser zum Winzer

ausgezeichnete-frankenweine-2011---internet.jpgDer Weinguide garantiert Qualität: Nur prämierte Betriebe werden in den Führer aufgenommen.weiter 

Franken - Wein.Schöner.Land

weinschoenerland.jpgQualität ist nicht alles - aber ohne Qualität ist alles nichts! Diese Aussage spielt eine zentrale Rolle in der Gesamtkonzeption. Ziel ist ein einzigartiges Premiumangebot für den genussorientierten Gast und Weinfreund.
Ausgezeichnete Angebote finden Sie hier ausführlich beschrieben.
weiter 

Nachhaltigkeit ist wichtiges Thema

slow-wine.jpgAuch die fränkischen Winzer widmen sich dem Thema Nachhaltigkeit. Das sensible Thema wird aus vielen Blickwinkeln beleuchtet. Man erwägt sogar die Einführung eines eigenen Siegels.weiter