Frankenwein - die genuss-seiten
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Gerda Enk, Kulturspeicher (Würzburg), Thomas Leonard, Lichtspezialist (Würzburg), Norbert Schmelz, Restaurant Bennos (Volkach) und Tobias Streng, Weingut Paul Streng (Sulzfeld) (v. l. n. r.) wagten sich an ein ungewöhnliches Experiment
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Salat mit Pilzen und Parmesan, dazu ein Spätburgunder Weißherbst. Bei normalen Lichtverhältnissen wirkt alles sehr ansprechend.
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Salat mit Pilzen und Parmesan, dazu ein Spätburgunder Weißherbst. Unter blauem Licht wirken Speise und Getränk wenig ansprechend. Der Wein steht farblos und schal im Glas.
 

Essen und Trinken in anderem Licht

Blaues Licht verdirbt den Appetit - Experiment im Kulturspeicher

Haben Sie schon einmal Tomatensuppe in grünem Licht gegessen oder einen Rotwein bei rotem Licht getrunken? Sicherlich genießen Sie Wein und Speisen normalerweise bei ganz normalen Lichtverhältnissen und machen sich über den Einfluss des Lichtes beim Genuss wenig Gedanken. Wie riecht das Essen, wie duftet der Wein, wie schmecken die Speisen und mundet der Wein, das sind normalerweise die gängigen Fragen. Wie groß der Einfluss des vorherrschenden Lichtes beim Genuss ist, verdeutlichte jüngst ein interessantes Experiment im Würzburger Kulturspeicher. Es ging darum, den Zusammenhang zwischen Appetit und Beleuchtung zu erleben.
Dort, wo sich normalerweise alles um die Kunst dreht, fand im Rahmen der Veranstaltungsreihe „aufgetischt“ ein Abend mit „Essen im anderen Licht“ statt. Museumspädagogin Gerda Enk vom Kulturspeicher (Würzburg), Lichtspezialist Thomas Leonard (Würzburg), Küchenmeister Norbert Schmelz vom Restaurant Bennos (Volkach) und Winzer Tobias Streng vom Weingut Paul Streng (Sulzfeld) inszenierten zusammen einen ganz außergewöhnlichen Abend. Bei jedem Gang des Menüs wurde der Raum abwechselnd mit rotem, blauem und grünem Licht ausgeleuchtet. Im Anschluss daran folgte jeweils eine „Erholungsphase“ bei „normalem“ Licht.
Wie sieht ein Gericht, wie ein Wein bei unterschiedlicher Beleuchtung aus? Schon Bauhaus-Künstler Johannes Itten hatte dazu seine Erfahrungen gesammelt. Er berichtet bereits 1961 in seinem Buch „Die Kunst der Farbe“: „Ein Industrieller lud eine Gesellschaft von Damen und Herren zu einem Nachtessen ein. Die Ankommenden wurden von den aus der Küche kommenden Wohlgerüchen empfangen, und alle freuten sich auf das Schlemmeressen. Als die fröhliche Gesellschaft um den Tisch versammelt war, schaltete der Hausherr rotes Licht ein. Das Fleisch auf den Tellern wurde schön rot gefärbt und sah frisch aus, aber der Spinat erschien schwarz, und die Kartoffeln waren leuchtend rot. Alles stutzte, und schon wechselte das rote Licht in blaues Licht, und der Braten sah aus, als sei er verwest, die Kartoffeln, als ob sie faulig wären. Als darauf Gelb eingeschaltet wurde, der Rotwein aussah wie dunkles Öl und die Tischnachbarn wie gelbe Halbtote erschienen, da standen einige empfindliche Damen auf und verließen eilig das Esszimmer.“
Ganz so gravierend waren die Auswirkungen im Würzburger Kulturspeicher nicht, aber nachdenklich wurden die Teilnehmer der Veranstaltung schon. Mal sah das Essen appetitlich aus, mal eher abschreckend. Zweifellos haben Farben tief greifende Wirkungen, oftmals ist man sich dessen nur nicht bewusst. Obwohl Geruch und Geschmack sich nicht verändert haben, war der Genuss ganz stark vom jeweiligen Licht geprägt. Erschreckend für die Weinfreunde war insbesondere die Erkenntnis, dass der Weißwein bei den verschiedenen Lichtfarben meist farblos und schal und somit wenig ansprechend aussah. Allein schon aus diesem Grunde, waren alle jedes Mal froh, wenn nach Rot, Blau und Grün endlich wieder „normales“ Licht den Raum erhellte.

 

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