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Die Flächenentwicklung in Franken (Tabelle 1)
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Rebsortenstatistik 1993 - 2007
 

Die Renaissance der weißen Rebsorten

Die Bayerische Landesanstalt stellt Langzeitvergleich der Weinbaufläche und Rebsorten vor

Betrachtet man den einzelnen Weinberg, so wirkt der Weinbau bei einer heute üblichen Nutzungsdauer für Rebflächen von 25 – 30 Jahren sehr statisch. Zudem finden wir in Franken, wie in vielen anderen deutschen Weinbaugebieten, durchaus noch wesentlich ältere Rebbestände, die in der ersten Hälfte des 20. oder sogar noch im 19. Jahrhundert gepflanzt wurden. Richtet man den Blick nicht auf Einzelflächen, sondern auf ein ganzes Anbaugebiet, so besteht hinsichtlich Rodung und Wiederbepflanzung und dem damit verbundenen Sortenwechsel eine ganz andere Dynamik.
Die Bayerische Landesanstalt für Weinbau und Gartenbau hat die gesamtbayerische Sortenentwicklung im Weinbau über einen Zeitraum von 14 Jahren (1993 – 2007) analysiert.
Das Ergebnis zeigt, wie die Region Franken auf Markt- , Verbraucher- und sonstige Einflüsse reagiert und wie sich aus der Summe der Einzelentscheidungen von 5500 Weinbaubetrieben Gesamttrends ableiten, der in ihrer Entwicklungsgeschwindigkeit doch überraschen.
In Tabelle 1 sind für Gesamtbayern die jährlichen Saldi aufgelistet, die sich bei den einzelnen Rebsorten aus Rodung und Wiederbepflanzung ergeben. Da sich die bestockte Rebfläche in Franken im Vergleichszeitraum kaum verändert hat (s. Tabelle 2), gehen Flächenzunahmen der „Gewinner“ praktisch immer zu Lasten anderer Sorten.
Für den Rotwein enthält Tabelle 1 die komplette Story des fränkischen Rotweinanbaus der Neuzeit. Ausgehend von einer absoluten Rotweinfläche von 318 ha wuchs der Rotweinanteil Anfang der Neunziger Jahre in Franken gerade mal um 10 Hektar pro Jahr. Diese Zunahme steigerte sich stetig bis zum Höhepunkt in den Boomjahren 2002 bis 2004, wo jährlich über 140 Hektar mit roten Rebsorten neu angelegt wurden. Bis heute ist dieser Hype schon wieder abgeklungen und in diesem Jahr wuchs die Rotweinfläche noch um 20 Hektar, der zweitniedrigsten Zahl seit 1993. Im Vergleichszeitraum haben sich die roten Rebflächen um mehr als 860 Hektar ausgedehnt. Ihr Anteil heute an der Gesamtrebfläche beträgt 19,8 Prozent, das entspricht 1213 ha oder rund dem Vierfachen des Ausgangswertes. Die Entwicklung der einzelnen roten Sorten zeigt Tabelle 3. Alle bereits 1993 in Franken vertretenen Rebsorten haben im Vergleichszeitraum zugelegt. Portugieser und Schwarzriesling treten jedoch seit einigen Jahren auf der Stelle bzw. gehen in der Fläche zurück. Regent und einige weitere Sorten wie Acolon und Cabernet Dorsa waren zu Beginn des Betrachtungszeitraumes 1993 überhaupt noch nicht im Anbau und haben etwa seit 2000 eine stürmische Aufwärtsentwicklung erfahren. Während der Dornfelder in Bayern nie die Bedeutung erreichte, die er in den großen deutschen Weinbaugebieten inzwischen hat, setzte sich Domina souverän an die Spitze der roten Sorten und kann inzwischen als Charakteristikum der fränkischen Rotweinerzeugung gelten.
Die bestockte Rebfläche insgesamt veränderte sich von 1993 bis 2007 laut Weinbaukartei nur um 20 Hektar (s. Tabelle 2). Zunahmen erfolgten zu Beginn des Beobachtungszeitraums durch einige laufende Flurbereinigungsverfahren in denen noch Neuanpflanzungen genehmigt werden konnten. Für eine weitere Zunahme sorgte der EU-Agrarministerrat in den Jahren 1999 und 2002 aufgrund seiner Entscheidung, den Mitgliedsstaaten Neuanpflanzungsrechte zu gewähren. Dies löste in Franken eine enorm hohe Nachfrage aus, sodass die verfügbaren Kontingente unter den Antragstellern verlost werden mussten und mit rund 128 ha genehmigte Neuanpflanzungen weitestgehend auch ausgeschöpft wurden. Im Gegenzug mussten viele Grundstücke aus dem Rebflächenverzeichnis gelöscht oder die Größenangaben nach unten korrigiert werden, weil laufende Überprüfungen und neue Techniken immer genauere Werte über die tatsächlichen Rebflächen liefern.
Der Sortenumbau beschränkt sich jedoch nicht auf einen Wechsel von weiß zu rot und – vielleicht in den nächsten Jahren – wieder von rot zu weiß. Auch die Verschiebungen innerhalb der Weißweinsorten, für die Franken klassisches Anbaugebiet ist und bleiben wird, gestalten sich spannend. Erwartungsgemäß ist der „Hauptverlierer“ unter den Rebsorten diejenige, die am meisten verbreitet ist. Dies trifft nicht nur in Franken typischerweise den Müller-Thurgau. Saldiert man die Flächen auf, die nach Rodung nicht mehr mit Müller-Thurgau bestockt wurden, so ergibt sich eine Flächenabnahme von 954 Hektar in 14 Jahren! Weitere Rebsorten mit abnehmender Tendenz sind Kerner, Perle, Ortega, Scheurebe und Traminer. Alle Flächenabnahmen „weiß“ addiert ergeben eine Gesamtfläche von 1.240 Hektar. Davon wurden 860 Hektar mit roten Sorten bestockt. Außerdem wurden 378 Hektar mit attraktiven, weißen Rebsorten neu angelegt.
Sortengewinner und –verlierer im weißen Sektor sind in Tabelle 4 graphisch dargestellt. Hier wird zunächst die Flächenzunahme der Rebsorte Bacchus im überraschen. Diese Zunahme erfolgte im Zeitraum 1994 bis 2000 hauptsächlich aus zwei Gründen. Zunächst entsprach der Bacchus dem Wunsch der Verbraucher nach aromatischen bouquetreiche Weinen. Weiterhin lies sich Bacchus erfahrungsgemäß gut auf Weinfesten, in Heckenwirtschaften und sonstigem, direkten Ausschank vermarkten. Diese Bedeutung hat sich von 2000 bis heute deutlich relativiert, sodass der Bacchus jetzt auf flächenmäßig auf der Stelle tritt.
Weitere Rebsorten, die weniger gut in das Vermarktungsbild passen oder für die es vielversprechendere Alternativen gab, wurden reduziert. Dies traf in erster Linie die Sorten Kerner und Perle. Sie machten als Neuzüchtungen in den Jahren ab 1970 für einige Jahrzehnte Furore, werden sich im langfristigen Trend jedoch wohl nicht halten. Ähnliches gilt für den besonders frühreifen Ortega während Traminer und Rieslaner - mit wesentlich geringerem Gesamtumfang - doch einen gewissen „Achtungserfolg“ verbuchen und ihre Sortenanteile in etwa halten konnten.
Eine Sonderstellung in Franken hat seit jeher der Silvaner. Die bestockte Rebfläche umfasste 1964 1216 Hektar. Bis 1983 gab es nur einen leichten Rückgang um 72 Hektar. Derzeit sind 1259 Hektar mit Silvaner bestockt mit deutlichen Zunahmen in den letzten Jahren. Das bedeutet, dass der fränkische Klassiker alle Trends und Veränderungen der letzten fünf Jahrzehnte von den Neuzüchtungen bis zum Rotweinboom unbeschadet überstanden hat. Der fränkische Weinbau hat sich mit dieser und über diese Sorte definiert, die heute 21% der Rebfläche insgesamt einnimmt.
Betrachtet man die weiteren „Gewinnersorten“ im Weißweinbereich, so trifft auch hier die Bezeichnung „Renaissance der weißen Klassiker“ durchaus zu. Kontinuierlich erfolgte der Ausbau des Rieslings, der mit vier Prozent in den besten Lagen Frankens vertreten ist und dessen Fläche in den letzten 15 Jahren um 76 Hektar wuchs. Ebenso deutlich, wenn auch auf geringerem Gesamtniveau nehmen auch die Burgundersorten zu.
Für die nächsten Jahre erwarten wir, auch mit Blick auf die Zahlen der Rebpflanzguterzeugung, dass der Rotwein in der Fläche seine Sättigung erreicht hat und im Zuge der Umstrukturierung bestehender Rebanlagen sogar wieder abnehmen wird. Die in den letzten Jahren favorisierten Weißweinsorten Silvaner, Riesling sowie Weißer und Grauer Burgunder werden ihren Aufschwung fortsetzen.

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